Sebastian Mützel spielt seit Saisonstart für den SV Zweckel. Ins Ruhrgebiet gelotst wurde der gebürtige Bayer von Ex-Nationalspieler Mario Basler.

Ein „Servus“ kommt Sebastian Mützel zur Begrüßung nicht über die Lippen. Er ist schließlich nicht erst gestern umgezogen. Verfällt der 26-Jährige allerdings in einen kleinen Redefluss, kann er seinen Dialekt kaum noch vertuschen: Bayrisch. Seit Saisonbeginn nun kickt der Linksaußen im Dress des SV Zweckel in der Oberliga Westfalen – rund 700 Kilometer entfernt von seiner Geburtsstadt Bad Tölz.

Doch nicht nur die Entfernung macht klar: Es war ein weiter Weg, den Mützel zurücklegte, bis er nun schlussendlich zum Klub aus dem Gladbecker Norden gelangte. „Mit 18 habe ich meinen ersten Profivertrag unterschrieben“, erzählt der Linksfuß. „Damals bei der SpVgg Unterhachingen.“ Das war 2005. Und der Beginn einer kleinen Reise, an dessen Ende eine neue Heimat stehen sollte. Mit einjähriger Zwischenstation beim 1. FC Nürnberg ging es 2012 für den robusten Angriffsspieler zum Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen – damals von keinem geringeren als Ex-Nationalspieler Mario Basler trainiert. Mützel erinnert sich: „Basler hat mich damals kontaktiert und ich war bereit für das Abenteuer. Und dann ging es ganz schnell.“ Schnell ging es allerdings auch für den prominenten RWO-Coach nach Mützels Ankunft: „Nach nur sechs oder sieben Spielen hat er hingeschmissen.“

Der Linksfuß blieb trotzdem bei den Kleeblättern. Zwei Jahre und 49-Regionalliga-West-Einsätze. Dann war Schluss mit dem Profigeschäft. „Ich habe immer gehofft, dass ich den großen Sprung in die höheren Ligen schaffe. Aber mit Mitte Zwanzig habe ich mir dann eine Frist gesetzt. Das Kapitel Profifußball ist abgeschlossen und ein neuer Lebensabschnitt beginnt für mich“, erzählt er. Den Weg zurück nach Bayern trat Mützel allerdings trotzdem nicht an – der Liebe wegen. „Ich habe während meiner Zeit bei RWO meine Freundin Sarah aus Gladbeck kennengelernt.“

Mützel sieht viele Ähnlichkeiten zu seinem Geburtsort

Mützel begann ein Studium zum Physiotherapeuten. „Das lag mir aber nicht wirklich“, resümiert er. Heute lebt er in Gladbeck und baut sich mit einer kaufmännischen Ausbildung ein neues Standbein auf. Und aus Wahlheimat wird langsam aber sicher Heimat. „Zu Anfang habe ich mich gewundert, dass es hier mehr als nur Industrie gibt, sondern auch Grünes. Manche Stellen ähneln sogar – so komisch das klingt – ein bisschen Bad Tölz. Ich fühle mich hier schon mittlerweile zu Hause“, berichtet der Sportler aus Süddeutschland schmunzelnd.

Dass er natürlich nie ganz mit dem Fußball aufgehört hat, versteht sich von selbst. Nach dem Abstieg seines vorherigen Vereins SC Westfalia Herne, fiel ihm die Entscheidung für die neuen Farben leicht. „Ich wollte dort spielen, wo ich wohne. Trainer Appelt hat früh mit mir Kontakt aufgenommen und es hat einfach gepasst“, sagt das Mitglied des Mannschaftsrates, der von Beginn an viel Verantwortung im jungen Kader der Schwarz-Grünen übernahm. Und sein Ziel mit dem neuen Team ist klar: „Wir wollen den Klassenerhalt. Und das schaffen wir auch“, so Mützel selbstbewusst. Bei zehn der bisherigen elf Saisonpartien des SVZ stand er auf dem Feld. Und er betont: „Wir sind kein Kanonenfutter.“

Der Spruch dürfte ankommen. Auch bei den Fans. Über die kann Mützel sowieso nur Schwärmen: „Die Fußballkultur im Ruhrgebiet ist unglaublich. Hier spricht man über Fußball, wie in anderen Städten über’s Wetter.“ Er selbst hält sich da allerdings bedeckter. Wenn, dann aber Schalke. „Ich habe eigentlich keinen echten Lieblingsklub. Aber die Familie meiner Freundin ist durch und durch königsblau. Das prägt“, berichtet er mit einem Lachen.

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