Günter Appelt, Trainer des Oberliga-Tabellenletzten SV Zweckel, glaubt an ein erneutes Fußball-Wunder. Wie er den Klassenerhalt schaffen will, verrät er im WAZ-Interview.

Tabellenschlusslicht. Sieben Punkte und nur einen Sieg auf dem Konto. Elf Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz, dazu das schlechteste Torverhältnis der Liga. Der SV Zweckel steht in der Oberliga Westfalen vor einer Herkulesaufgabe: Der Verbleib in der fünfthöchsten Spielklasse scheint in dieser Saison schwieriger zu werden als je zuvor. Trainer Günter Appelt blickt im Gespräch mit WAZ-Mitarbeiter Jonah Lemm zurück auf den bisherigen Verlauf der Spielzeit.

WAZ: Herr Appelt, wie bewerten Sie – auch im Vergleich zu den vergangen beiden Jahren in der Oberliga – die Hinrunde Ihrer Mannschaft?

Appelt: Da gibt es sicherlich Ähnlichkeiten. Diese Hinrunde bewerte ich – wie in den vergangenen Jahren – weder als Chaos noch als Versagen. Wir haben aus den Möglichkeiten, die wir hatten, einfach nicht das Optimum rausgeholt. Wir hätten sicher noch ein paar Punkte mehr holen können. Das versuchen wir natürlich in der Rückrunde wieder auszubessern. Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack: die vielen Verletzten.

Sind die ein zentraler Punkt dafür, dass der SV Zweckel nun am Tabellenende steht?

Ich glaube, keine Mannschaft hatte so viele Verletzte wie wir. Wenn wir alle Spieler an Bord gehabt hätten, wäre die Hinrunde vielleicht anders verlaufen. Wir waren zu Beginn relativ fit, haben da 4:1 gegen den ASC Dortmund gewonnen und sind relativ ordentlich gestartet. Kurz danach fingen jedoch die Probleme an. Durch die Ausfälle konnten wir fast nie mit der selben Viererkette hinten spielen. Dadurch, dass wir immer wechseln mussten, kam in der Abwehr nie eine Konstanz zu Stande.

Wie sieht der Status quo in der Verletztenmisere aus?

Ich denke, dass uns Devin Müller nach seiner Zahnverletzung bald wieder zur Verfügung stehen wird. Norman Seidel hat zum Ende der Hinrunde bereits wieder Spielpraxis sammeln können. Das sind zwei wichtige Leistungsträger. Dennis Yilmaz bleibt allerdings wohl langzeitverletzt. Bei Onur (Bicererler, d. Red.) ist die Situation noch ungewiss. Auch da hoffen wir auf eine schnelle Rückkehr.

Nicht nur die Abwehr hat dem SV Zweckel in der Hinrunde Probleme bereitet. Auch auf der Torwartposition . . .

Wir haben ein Torwartproblem. Das muss man ganz klar sagen. Nach dem Abgang von Dennis Grüger haben wir für ihn keinen adäquaten Ersatz gefunden. Mit Sebastian Tiszai haben wir keine gute Verpflichtung getätigt. Und der aus Hüls gekommene Pascal Schulte-Knop hat sich schwer verletzt und wird uns die ganze Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Deswegen suchen wir jetzt natürlich im Winter nach einem neuen oberligatauglichen Torhüter. Und das schnell.

In der Offensive fehlte Ihrer Elf oft die Durchschlagskraft. Gibt es daher auch Überlegungen einen neuen Stürmer zu holen?

Auf jeden Fall. Wir müssen viel zu viel Aufwand betreiben, um erfolgreich zu sein. Dass wir unsere Chancen im hohen Maße liegen lassen, ist ein weiteres großes Problem, das wir nun unbedingt angehen wollen. Man muss dabei natürlich auch sehen, dass viele unserer Sommertransfers leider keine positiven Schlagzeilen für uns geschrieben haben.

Wie meinen Sie das?

Sebastian Mützel nehme ich da teilweise raus. Diyar Kaplan ist hinter den Erwartungen geblieben, genauso wie Pjer Radojcic. Tolga Cengelcik – eigentlich ein großes Talent – war für die Oberliga auch überhaupt nicht geeignet. Das sind alles Sachen, die wir hinterfragen müssen.

Das heißt die Spieler, mit denen Sie im Moment Gespräche führen, sind erfahrener in höheren Klassen?

Das wäre wünschenswert. Wir müssen natürlich auf unsere finanziellen Möglichkeiten schauen. Wir schauen zuerst einmal, ob die Spieler überhaupt zu uns passen. Rein menschlich gesehen. Und vom Budget. Ich hoffe, bis zum 31. Januar sind die Verhandlungen alle abgeschlossen.

Wie geht es weiter beim SVZ?

Die Tage um Weihnachten haben wir genutzt, um uns zu erholen. Durch die zwei Nachholspiele starten wir früher in die Rückrunde. Deswegen steigen wir Anfang Januar wieder ins Training ein. Um das Wunder noch zu schaffen.

Sie sprechen von einem Wunder. Glauben Sie tatsächlich noch an den Klassenerhalt?

Natürlich. Ich glaube erst dann nicht mehr daran, wenn es auch rechnerisch nicht mehr möglich ist. Wir sind ja nicht in jedem Spiel sang- und klanglos untergegangen. Wenn wir uns taktisch und sportlich verbessern, denke ich, dass wir noch eine Chance haben. Das werde ich den Jungs auch vermitteln. Klar, das wird schwierig. Aber wir haben da Erfahrung und werden so hart arbeiten wie in der vergangenen Saison.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.