Der SV Zweckel muss den bitteren Gang in die Kreisliga antreten. Nun gilt es zunächst, diesen Abstieg zu verarbeiten, die Ursachen ehrlich zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.
Bereits in den vergangenen Jahren bewegten sich die Schwarz-Grünen regelmäßig im unteren Tabellenbereich der Bezirksliga und konnten sich oftmals mit dem nötigen Quäntchen Glück retten. In dieser Saison war dieses Glück aufgebraucht – der Abstieg war letztlich die zwangsläufige Folge.
Auch wenn Trainer Marc Schäfer den Abstieg auf seine Kappe nehmen möchte, greift diese Sichtweise deutlich zu kurz. Schäfer übernahm die Mannschaft erst nach dem siebten Spieltag, als der SV Zweckel noch ohne einen einzigen Punkt dastand. Die Ursachen liegen wesentlich tiefer.
Die Mannschaft hat im Laufe der Saison immer wieder bewiesen, dass sie auch gegen starke Gegner mithalten kann – allerdings häufig eben nur mithalten und nicht zwingend gewinnen. Die Verantwortlichen waren vor Saisonbeginn überzeugt, eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt zu haben. Schnell wurde jedoch deutlich, dass bei vielen Spielern die Bereitschaft fehlte, sich konsequent auf eine schwierige Saison vorzubereiten.
Vor allem die schwache Trainingsbeteiligung in der Vorbereitung sollte sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit ziehen. Gerade dort werden die Grundlagen für Fitness, Zusammenspiel und defensive Stabilität gelegt. In vielen Partien hielt Zweckel 60 oder 70 Minuten gut dagegen, ehe die Mannschaft körperlich und mental einbrach. Die Bilanz spricht für sich: 88 Gegentore machten den Zweckeler Kasten zur Schießbude der Liga.
Defensivarbeit ist dabei nicht allein Aufgabe von Torhüter und Abwehrreihe, sondern der gesamten Mannschaft. Dafür braucht es Fitness, Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und geistige Frische. Allein spielerische Ansätze reichen in der Bezirksliga nicht aus. Wille, Kampf und Ausdauer gehören genauso dazu.
Besonders deutlich wurde dies im entscheidenden Spiel beim VfB Börnig. Dort war klar zu erkennen, welche Mannschaft den Abstiegskampf angenommen hatte – und welche nicht. Mit gerade einmal zwei Gelben Karten agierten die Schwarz-Grünen erneut zu zurückhaltend. Es geht dabei keineswegs darum, unfair zu spielen oder „draufzutreten“, aber in solchen Spielen muss eine Mannschaft zeigen, dass sie sich mit aller Konsequenz gegen den Abstieg stemmt.
Hinzu kamen immer wieder individuelle Fehler, die direkt zu Gegentoren führten. Auch das ist Ausdruck fehlender Abstimmung und mangelnder Qualität. Wenn gleichzeitig nur unregelmäßig trainiert wird, können Automatismen nicht entstehen und das Defensivverhalten bleibt fehleranfällig. Anspruch und Wirklichkeit klafften bei einigen „Bezirksligakickern“ sichtbar auseinander.
Erschwerend kam erneut großes Verletzungspech hinzu. Mit Yllie Rushiti, Marlon Boris, Eray Ciplak, Milad Sahebzada, Lenny Theis und Joel Hellmich fielen wichtige Spieler über längere Zeiträume aus. Auch Tony Igwe stand nach einigen starken Wochen später nicht mehr zur Verfügung.
Das darf allerdings keine Ausrede sein. Jeder Spieler im Kader erhebt schließlich den Anspruch, Bezirksliga spielen zu können. Ob die gezeigten Leistungen diesem Anspruch gerecht wurden, muss jeder Beteiligte selbst beurteilen.
Klar ist auch: Die Verantwortlichen werden gemeinsam mit Trainer Marc Schäfer genau prüfen müssen, welche Spieler sportlich und charakterlich zur Mannschaft passen. In der abgelaufenen Saison gab es Spieler, die für Meisterschaftsspiele Urlaub nahmen oder Schichten tauschten, während andere über Wochen kaum oder gar nicht am Training teilnahmen. Das darf sich künftig nicht wiederholen.
Am Trainer lag der Abstieg nach Einschätzung vieler Verantwortlicher jedenfalls nicht. Marc Schäfer arbeitete akribisch, war stets gut vorbereitet und verfolgte eine klare Spielidee. Diese muss jedoch auch von der Mannschaft angenommen und umgesetzt werden.
Immerhin steht das Grundgerüst für die kommende Saison bereits. Viele Spieler, mit denen der Verein gerne weiterarbeiten möchte, haben bereits zugesagt. Vielleicht wäre es sogar der beste Weg, wenn diejenigen, die den Karren in den Dreck gezogen haben, nun auch mithelfen, ihn wieder herauszuziehen.
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